Warum nehme ich nicht ab?

By Sue
Jul 28th, 2016
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Warum nehme ich nicht ab?

© Knut Wiarda – fotolia.com

„Ich esse total wenig. Warum nehme ich nicht ab?“

Diese verzweifelte Frage wird heiß in Foren diskutiert und es gibt scheinbar* eine Menge Antworten darauf:

  • Dein Stoffwechsel ist durch zu viele Diäten kaputt.
  • Du hast bestimmt eine Schilddrüsenunterfunktion.
  • Du darfst keinen Süßstoff zu dir nehmen.
  • Du isst zu wenig! Wenn dein Körper im Hungermodus ist, nimmt er nicht ab.
  • Du darfst nach 18 Uhr keine Kohlenhydrate essen.
  • Du darfst das Frühstück nicht auslassen.

(* Das Wort „scheinbar“ drückt aus, dass etwas „nur zum Schein“ ist. In Wirklichkeit ist es anders.)

Es gibt unglaublich viele Theorien zum Abnehmen, die zum Teil plausibel wirken, sehr populär sind und einen – wenn man längere Zeit danach googelt – ganz schön verwirren können. Wie soll man da noch durchsteigen? Und kann man einfach so zum Arzt gehen und ihn bitten, mal die Schilddrüse abzuchecken, weil man ein paar Kilos zu viel hat und sie nicht loswird?

Zunächst einmal: Wenn man tatsächlich gesundheitliche Bedenken hat, kann man selbstverständlich zum Arzt gehen. Wer über längere Zeit mit Crash-Diäten herumprobiert hat, sollte sowieso mal einen Gesundheitscheck machen lassen, um die Blutwerte zu überprüfen. Vielleicht gibt es einen Nährwertmangel, der besser ausgeglichen werden sollte.

Dennoch: Wenn du dich eigentlich gut fühlst und dich fragst, ob du nur deswegen nicht abnimmst, weil dir eine unentdeckte Schilddrüsenunterfunktion im Weg steht – die Antwort ist wahrscheinlich Nein. (Sorry!) Denn selbst wenn du eine Schilddrüsenunterfunktion hättest, würdest du mit einer Diät vielleicht etwas langsamer abnehmen, aber ein kompletter Abnehm-Stopper ist sie nicht.

Abnehmen ganz simpel

Im Grunde ist das Abnehmen sehr simpel: Du musst mehr Kalorien verbrennen, als du zu dir nimmst. Punkt.

1 Kilo Körperfett entspricht 7.000 kcal. Wenn du also 1 Kilo abnehmen willst, brauchst du ein Kaloriendefizit von 7.000 kcal – über welchen Zeitraum auch immer. Das kann eine Woche, zwei Wochen oder ein Monat sein.

Zuvor musst du natürlich wissen, wie viele Kalorien du grundsätzlich so am Tag verbrennst. Das ist bei jedem Menschen anders und hängt von den Faktoren Geschlecht, Größe, Alter und Gewicht ab. Dazu kommt noch, wie aktiv du den ganzen Tag über bist; Bauarbeiter verbrennen natürlich mehr Kalorien als Büro-Angstellte. Es gibt verschiedene Rechner im Internet, hier ist einer: Energiebedarfsrechner der Uni Hohenheim

Wenn du in einer Woche 1 Kilo abnehmen willst, musst du durchschnittlich 1.000 kcal am Tag unter deinem Energiebedarf sein. Durchschnittlich heißt, dass du auch mal drüber liegen kannst – aber dann musst du es an anderen Tagen ausgleichen. Wie gesagt: 1 Kilo = 7.000 Kalorien.

(Das bedeutet nicht, dass du 1 Kilo pro Woche abnehmen sollst. Aber du könntest. Vielleicht setzt du dir erst mal als Ziel, 500 kcal pro Tag einzusparen und 1 Kilo in zwei Wochen abzunehmen. Das ist leichter durchzuhalten.)

Zwei wichtige Punkte zur Höhe deines Energiebedarfs:

  1. Du kannst ihn natürlich steigern, indem du Sport machst. Aber überschätze nicht, wie viele Kalorien du beim Sport verbrennst. Ich empfehle sehr, Sport während des Abnehmens zu machen, aber diese verbrannten Kalorien lieber nicht mit einzuplanen, denn wir neigen sehr dazu, uns zu vertun. Selbst wenn wir wissen, dass wir dazu neigen, vertun wir uns trotzdem. Außerdem hätten wir ja auch während der Zeit im Ruhemodus Energie verbrannt (was mit dem Grundumsatz berechnet wurde) – diese verbrannten Kalorien werden im Grunde doppelt gezählt, wenn du deinen Energieverbrauch vom Sport dazurechnest.
  2. Dein Energiebedarf ist auch vom Gewicht abhängig. Das hatte ich schon erwähnt, aber ich betonte es noch mal. Denn das bedeutet: Wenn du abnimmst, sinkt auch dein Energiebedarf. Vergiss das nicht! Passe regelmäßig deine Berechnung deinem Gewicht an.

Abnehmmythen, die dir im Weg stehen

Und was ist nun mit dem Hungermodus, dem kaputten Stoffwechsel und dem bösen Süßstoff? Schmeiß das alles raus aus deinem Kopf. Es geht nur um die Energie, die du aufnimmst, und die, die du wieder verbrennst. So simpel ist das.

Wenn du bisher durch wenig essen nicht abgenommen hast, liegt das daran, dass dir nicht bewusst war, was du tatsächlich alles an Kalorien zu dir genommen hast bzw. was du tatsächlich auch verbrannt hast. (Die Wahrheit tut manchmal weh, noch mal sorry!) Denn wenn du 7.000 Kalorien weniger zu dir nimmst als du verbrennst, hast du definitiv ein Kilo Fett abgenommen.

Simpel, aber nicht einfach

Klingt doch alles ganz easy, oder? Na ja, ich sage ganz bewusst „simpel“, denn einfach ist es leider nicht. Ein erster Schritt zum erfolgreichen Abnehmen ist, sich klarzumachen, wie es funktioniert und was für Mythen einen bisher nur verwirrt und vielleicht sogar vom Abnehmen abgehalten haben. Ein ganz wundervolles Buch, das viele (wenn nicht gar alle) dieser Mythen entmythifiziert und das auch wissenschaftlich belegt, ist „Fettlogik überwinden“ von Dr. Nadja Hermann. Manch einer kennt vielleicht auch ihre witzigen Comics auf erzaehlmirnix.wordpress.com.

Wer gerne all die wissenschaftlichen Belege sehen möchte, weil er neugierig ist (oder mir nicht glaubt), dem lege ich dieses Buch sehr ans Herz.

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