„Sexy sein“ hat nichts mit den Oberschenkeln zu tun

By Sue
Jan 6th, 2014
5 Comments
2562 Views
© Scott Griessel - Fotolia.com

© Scott Griessel – Fotolia.com

Es ist Anfang Januar und natürlich werden in allen Medien Diät- und Fitness-Programme beworben – wie jedes Jahr. Da ich auch zu diesen (bzw. ähnlichen) Themen blogge, liegt mir ein Kommentar dazu auf dem Herzen:

Es ist toll, in einem gesunden und starken Körper zu leben.

Das ist nicht das Kriterium für Glück und Zufriedenheit.

Es ist nicht allen Menschen gegeben, gesund, schlank und hübsch zu sein. Wie auch immer man diese Attribute überhaupt definieren mag. Schönheitsideale können von Kultur zu Kultur, von Epoche zu Epoche, von Mensch zu Mensch so unterschiedlich sein – auch wenn es die Modebranche nicht einsehen mag.

Menschen, die aufgrund einer Behinderung eben über keinen durchtrainierten Körper verfügen, aber durch ihre Andersartigkeit Blicke auf sich ziehen, können natürlich witzig und intelligent sein und eine unglaubliche Ausstrahlung haben – und damit schön sein. (Siehe z. B. TED-Talk mit Maysoon Zayid: Ich hab 99 Probleme … Zerebralparese ist nur eins davon.)

Menschen, die sich mit ihrem Äußeren wohl fühlen – mit großer Nase, mit 20 Kilo über oder unter Idealgewicht, mit wasweißich –, können mit ihrem Selbstbewusstsein und ihrer Einmaligkeit ihre Mitmenschen bei Weitem in den Schatten stellen.

Warum ich trotzdem so viel über Fitness blogge?

Weil ich es wichtig finde, auf seinen Körper zu achten. Weil jemand, der stark ist und sich selbst verteidigen kann, auch auf die Menschen in seiner Umgebung achten kann. Auf Menschen, die nicht immer in der Lage sind, sich selbst in Notsituationen zur Wehr zu setzen.

Natürlich behaupte ich auch, dass Fitness zu mehr Selbstbewusstsein und einem guten Körpergefühl führt. Das bedeutet aber im Umkehrschluss nicht, dass Selbstbewusstsein und Schönheit vom Zustand der Kondition oder dem Körperfettanteil abhängt.

Die Bedeutung von „Thigh Gap“ in der Modelwelt

Das Model Robyn Lawley hat kürzlich in der „Ellen Show“ (mit Ellen DeGeneres) erklärt, dass sie trotz ihres Thigh Gaps – dem Abstand zwischen den Oberschenkeln – zu den „Plus Size Models“ gehöre.

„Thigh Gap“? Richtig, es gibt einen Begriff dafür. Das deutsche Wikipedia nennt es auch „Oberschenkellücke“.Wer eine nähere Ausführung dazu braucht, kann sich das Interview mit der selbstbewussten und wunderschönen Frau anschauen:

Ich habe meinen Ohren und Augen ja nicht getraut, als ich das gesehen habe.

Dass sich die Oberschenkel berühren, ist ganz normal. Nur bei wenigen Menschen gibt es diese Lücke – und das liegt eher an der Beckenstellung. Und davon abgesehen:

Wer achtet bitte schön auf die Oberschenkel?

Falls du jetzt trotz allem meinst, eine neue Problemzone erkannt zu haben – ich habe eine gute Nachricht für dich:

Niemand achtet auf den Abstand deiner Oberschenkel zueinander
oder beurteilt ihn sogar.

(Es sei denn, du bewirbst dich auf einen Model-Job.)

Deine Schönheit kommt von ganz woanders her.

Das sage ich als Frau – aber ich habe es mir von Männern bestätigen lassen. Ganz ehrlich, die lachen, wenn du ihnen mit der Thigh-Gap-Theorie kommst!

Und wenn du jetzt trotzdem das Bedürfnis hast, an deinem Körper zu arbeiten, dann such dir statt eines Bauch-Beine-Po-Kurses plus Weight-Watchers-Programm lieber ein Kickboxing-Workout aus.

Damit du zur Not einem bornierten Mode-Guru eins auf die Nase geben kannst. ;)

5 Responses to “„Sexy sein“ hat nichts mit den Oberschenkeln zu tun”

  1. Danke für diesen Beitrag!
    Du sprichst mir in vielen Punkten aus der Seele!!
    Dieser Thigh Gap-Wahnsinn ist wirklich furchtbar!
    Robyn Lawley ist eine wunderschöne Frau und weit entfernt von „fett“ oder wie man sie sonst noch betitelt hat!

    Generell läuft dieser ganze Wahnsinn um’s Abnehmen (ob als Neujahrsvorsatz oder „nur“ so) – und Schönheit – immer mehr aus dem Ruder. Traurig, aber wahr.
    Deswegen lautet mein Neujahrsvorsatz 2014: Diät, nein danke! http://wp.me/p3usyN-9Z

    • Sue sagt:

      Danke für deinen Kommentar!
      Ich bin auch ganz allgemein gegen Diäten. Wer meint, etwas zu viel auf den Rippen zu haben, und seinem Körper etwas Gutes tun möchte, der ist besser damit beraten, seine Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten zu ändern, statt eine Crash-Diät zu machen. Manche dieser beworbenen Online-Fitness-Kurse geben wirklich (für normale Menschen) übertriebene Ernährungstipps, z. B. nur einmal die Woche Kohlenhydrate essen. Wahnsinn!
      Dein Blog-Artikel zu dem Thema ist auch ganz wunderbar – und das Latte-Macchiato-Dessert-Foto sieht super aus! :)

  2. […] meinem letzten Blog-Artikel „‚Sexy sein‘ hat nichts mit den Oberschenkeln zu tun“ habe ich geschrieben, dass Selbstbewusstsein und Schönheit nicht vom Zustand der Kondition oder […]

  3. Bekky sagt:

    Echt,einfach nur wahr :) Und klingt bei dir auch nicht so abgedroschen wie „Wahre Schönheit kommt von innen“,das zwar wahr ist,aber halt schon so plattgeredet.
    Es ist so einfach und doch konzentriert man sich auf das,was man als erstes sieht. Aber ich frage mich auch,will ich denn auf den ersten Blick beurteilt werden oder ist es mir wichtig,dass Menschen mein Inneres beurteilen und auch beurteilen möchten?
    Wieder was zum Nachdenken.

    • Sue sagt:

      Ich hab mir den Spruch „Wahre Schönheit …“ auch echt verkniffen – aber so ist es nun mal! ;)
      Erste Eindrücke sind ja auch gar nicht verkehrt. Es ist (und war evolutionsbedingt) immer hilfreich, jemanden schnell einschätzen zu können. Aber man kann durch Vorurteile auch schnell in die Irre geleitet werden und sollte immer offen bleiben, den ersten Eindruck noch revidieren zu können.
      Deinen Tipp, sich selbst zu fragen, ob man auf den ersten Blick beurteilt werden will, finde ich sehr gut! Man sollte sich immer erst mal an die eigene Nase fassen. ;)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.