„Depression? Hattʼ ich schon.“

By Sue
Dez 23rd, 2013
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© Ramona Heim - Fotolia.com

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Gestresst? Deprimiert? Ausgebrannt? Schnell werfen wir mit solchen Begriffen um uns, ohne genau abzuklären, ob wir wirklich von einer dieser Krankheiten betroffen sind. Neulich erzählte mir eine junge Frau, gerade mal 22 Jahre alt, dass sie „früher unter Depressionen litt“, als wäre das das Normalste der Welt. Oder sie sagte es eben deswegen mit diesem herunterspielenden Achselzucken, um mir eine geschockte Reaktion zu entlocken. Als ich sie fragte, wie sie ihre Depression behandelt hätte, winkte sie ab: Sie hätte die Phase überwunden. Es ginge ihr jetzt auch so wieder gut.

Ich finde solche Aussagen besorgniserregend.

Da ist erstens diese Normalität, mit der junge Menschen schon von diesen Erlebnissen und Gefühlen reden. Als hätte jeder schon mal eine Depression gehabt. Wenn das der Fall ist, sollten wir dringend etwas an unserer Gesellschaft, also an uns, ändern. Wenn es nur ein Ruf nach Aufmerksamkeit ist, würde ich mir wünschen, dass die heutige Generation mehr nach aufmerksamkeitsheischenden Taten greift, statt nichts zu tun und zu jammern und anderen ein schlechtes Gefühl oder sogar ein schlechtes Gewissen zu vermitteln. „Geschieht meiner Mutter ganz recht, dass ich frier. Warum kauft sie mir auch keine warmen Handschuhe.“

Zweitens bin ich schockiert, wie wenig Aufklärung über die Themen Depression und Burnout betrieben wird. Was genau ist eigentlich das eigentlich? Wie erkenne ich, ob ich eine Depression habe? Oder ob ein Kollege, ein Freund ausgebrannt ist? Was sollte man dagegen tun – wo bekommt man Hilfe? Ich stoße in den sozialen Kanälen oft auf solche Tipps wie: Melde dich zu einem wöchentlichen Yoga-Kurs an. (Als wäre ein weiterer fester Termin in der Woche genau das Richtige für gestresste Menschen.) Hol dir ein Mandala-Buch, das Ausmalen entspannt. (Gut gemeint, aber leider den Ernst der Lage klar verkannt.)

Um es klarzustellen: Ein entspannendes Hobby wie Malen oder Yoga schafft einen guten Ausgleich zum stressigen Arbeitsalltag.

Aber wer unter einer richtigen Depression, unter einem Burnout oder vielleicht sogar eher einen Boreout leidet, dem ist auch mit diesen Maßnahmen schon längst nicht mehr geholfen.

Es müssen grundlegendere Dinge im Leben dieser Person geändert werden, um Seele und Körper wieder in Einklang zu bringen. Was genau das ist, kann am besten jemand aufzeigen, der mit diesen Dingen Erfahrung hat. Jemand, der weiß, dass die Gründe für die festgefahrene Situation so unterschiedlich sein können wie die Menschen selbst. Jemand, der feststellen kann, ob es vielleicht einen körperlichen Ursprung hat, zum Beispiel mit der Schilddrüse zu tun hat. Und falls es doch einen seelischen Ursprung hat, jemand, der diesen Menschen begleiten kann – denn so eine Situation löst sich selten von jetzt auf gleich auf, nur weil man das Ursprungsproblem erkannt hat. Es gibt leider kein Klick und dann geht’s wieder, sorry!

Eventuell bedeutet es: Raus aus allem! (Soll heißen, ein stationärer Aufenthalt, bei dem genau das eben Beschriebene passiert.)

Mit den Worten Depression und Burnout ist eben nicht zu spaßen und es sollte auch nicht so lapidar dahingesagt werden. Denn wenn sich jemand in diese Richtung äußert, dann sollte das auch ernst genommen werden und nicht „normal“ erscheinen, nach dem Motto: Ja, hatte ich auch letztens, das geht wieder weg.

Wer sich noch überhaupt nicht sicher ist, wie ernst zu nehmen seine negative Gefühlslage ist und jetzt denkt „Na gut, dann stell ich mal nicht so an, so schlecht geht’s mir ja eigentlich nicht …“, dem empfehle ich einfach, online einen anonymen Burnout-Stress-Test (BST) zu machen. In ca. zwanzig Minuten bekommt man eine gute Einschätzung seiner Situation, von der aus man weitere Schritte planen kann.

Ob mit medizinischer Unterstützung oder durch die eigene Willenskraft, sein Leben neu in die Hand zu nehmen und den eigenen Weg zu finden – du hast es in der Hand, etwas zu ändern und glücklich zu sein.

2 Responses to “„Depression? Hattʼ ich schon.“”

  1. Bekky sagt:

    Ist richtig,was du schreibst,jedoch haben wir uns da seit berühmten (leider z.T. auch negativ ausgegangenen Geschichten) Fällen weiter entwickelt. Depressionen werden ernst genommen und als Krankheit in der Bevölkerung anerkannt.
    Die andere Seite davon beschreibst du,die nicht so toll ist,nämlich dass viele denken,sie hätten Depressionen oder welche gehabt,weil es ihnen schlecht geht/ging. Man nimmt das Wort halt leichter in den Mund.
    Hat alles immer zwei Seiten ;)

    LG

    • Sue sagt:

      Danke für deinen Kommentar!

      Du hast recht: Natürlich ist es gut, dass dieses Krankheitsbild in der Bevölkerung bekannter geworden ist und akzeptiert wird. Da es aber immer Menschen gibt, die bestimmte Symptome schnell auf sich selbst beziehen, will ich noch mal den Burnout-Stress-Test hervorheben. Nicht nur für Menschen, die glauben, unter einer Depression zu leiden – sondern auch für Menschen, die so jemanden im Bekanntenkreis haben, um ihn weiterzureichen. Manchmal reicht es schon, so eine kostenlose Fern-Einschätzung zu machen und festzustellen: Alles gar nicht so schlimm. (Oder eben doch schlimm … und was man dann dagegen tun kann!)

      Liebe Grüße, Sue

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